eigener Shop

Wann ein Gewinnspiel-Sponsoring ein schlechter Deal ist

Veröffentlicht

Weihnachten steht vor der Tür und damit kommen wieder die Angebote, bei denen ich als Handmade-Verkäuferin mir wirklich nur an den Kopf fassen kann. “Für nur 50 EUR* können Sie bei unserem Adventskalender mitmachen.” Und man wird auch noch in der Liste der teilnehmenden Shops genannt. Preis und Porto sind natürlich auch durch mich zu tragen. Und der Gewinn soll natürlich auch noch rechtzeitig vor Weihnachten beim Gewinner sein. Ausgenommen die letzten paar Tage, wo das logistisch nun wirklich nicht mehr machbar ist. Der Eingang der Bewerbung sollte bis Ende Oktober erfolgen und dann wird entschieden, wer für den Kalender genommen wird.

* beliebiger Betrag einsetzbar

Was wird mir eigentlich angeboten?

Auf den ersten Blick klingt das Angebot ja schon ganz nett. Immerhin kommt sowas ja wohl von Leuten, die einen entsprechenden Verbreitungsgrad haben und doch auch garantiert dann werbewirksam in meiner relevanten Zielgruppe für mich sind, oder? Und in der Liste stehe ich ja auch. Und 50 EUR für eine gute Werbemaßnahme ist ja schließlich nicht soooo viel und da war ja auch noch der Ladenhüter, den ich eh… STOP! Genau das wird mir nämlich nicht angeboten.

Ich gehe jetzt natürlich von mir selbst aus. Mein Schwerpunkt liegt auf der Anfertigung individueller Kleidung und ich fertige dabei nach den Maßen des Kunden. Natürlich habe ich auch Einzelstücke auf Lager, die ich mal für ein Fotoshooting oder so angefertigt habe. Aber diese passen naturgemäß nur eine bestimmten Gruppe von Personen. Was bedeutet dieses Angebot also für mich?

Das verlosbare Produkt

Das verlosbare Produkt sollte etwas sein, das für meinen Shop repräsentativ ist und das die Gewinnspielteilnehmer auch haben wollen. Im Idealfall passt es einer großen Anzahl von Teilnehmern und weckt bei allen, die nicht gewinnen, Begehrlichkeiten. Damit sind die “Ladenhüter” schon mal raus. Ein einfacher Weg für mich wäre ein Umhang. Aber ganz ehrlich, wie repräsentativ ist ein Umhang für einen Hersteller von Gewandung? Die Alternative wäre, mich auf das Risiko einer Blitzanfertigung einzulassen. Hieße, ich lege mir einen Stoff auf Lager und reserviere im dicksten Weihnachtsstress einen Tag, um den Gewinn im Eiltempo anzufertigen. Das klingt ein bißchen nach der Wahl zwischen Pest und Cholera – nicht repräsentativer Preis oder Stress.

Der finanzielle Aspekt

Noch nicht in diese Betrachtung eingeflossen ist natürlich der Geldaspekt. Beide Varianten kosten natürlich etwas. Wenn ich den weniger attraktiven Preis nehme, dann kostet es mich vielleicht weniger. Aber dafür sinken meine Chancen darauf, erstmal ausgewählt zu werden und dann auch meine relevante Zielgruppe für mich zu interessieren. Schließlich ist das Produkt ja nicht repräsentativ für meinen Shop sondern eher dafür, was sich halt gerade nicht besonders gut verkauft.

Nehme ich nun das repräsentative Produkt, so sollte auch das Material einen gewissen Wert haben. Dazu kommt dann meine Arbeitszeit und natürlich kann ich einen bezahlten Auftrag weniger annehmen in der Weihnachtszeit, ich brauche die Zeit ja für das Gewinnspiel. Effektiv zahle ich also für eine gute Präsentation das doppelte von dem, was mich so ein Produkt normalerweise kosten würde. Und dann sind da immer noch die X EUR für den Platz im Adventskalender.

Die Werbewirksamkeit

Seien wir einmal ganz ehrlich. Wenn wir schon mal selbst ein Gewinnspiel gemacht haben oder an einem teilgenommen haben. Haben sich da nennenswerte Kunden generieren lassen, die dann trotzdem bei euch gekauft haben? Bzw. wie oft habt ihr in einem Laden eingekauft, wenn ihr das angebotene Stück nicht gewonnen habt? Schätzen wir also mal ganz optimistisch, dass 10% der Teilnehmer dann immerhin einen Blick auf das restliche Angebot des Shops werfen. Von diesen 10% kauft nun natürlich auch nicht jeder. Oder merkt sich zumindest den Shop. Oder empfiehlt ihn weiter. Wenn man Glück hat, generiert man vielleicht aus jedem 10. Besucher der Seite einen Kauf, normalerweise sind es aber  – zumindest in meinem Preissektor – deutlich weniger.

Um meine oben aufgezählten Kosten wieder reinzuholen, müsste ich eigentlich 2-3 Verkäufe aus dem Gewinnspiel ziehen. Einen, um den Auftrag wieder reinzuholen, den ich nicht annehmen konnte. Und 1-2 weitere, um die Kosten für die Beteiligung am Kalender und die Kosten für den Preis auszugleichen. Bei allen weiteren Aufträgen hätte ich dann einen wirklichen positiven Effekt aus dieser Werbemaßnahme gezogen. Fragen wir uns jetzt einmal ehrlich: wie wahrscheinlich ist das? Alternativ kann ich sowas natürlich in jedem Verkaufspreis prozentual einkalkulieren. Tue ich aber nicht.

adventskalender-deal
Eine kleine Illustration. Ich gebe zu, die ist eher schnell entstanden.

Der Zeitpunkt der Werbung

Der Kalender geht logischerweise im Dezember online und die Auflistung der teilnehmenden Shops ebenso. Das ist also dann, wenn ich gerade noch so die letzten Aufträge annehmen kann für Weihnachten. Schließlich will das alles auch noch genäht werden. Damit habe ich aber keine Luft mehr, noch spontan durch diese Maßnahme generierte Aufträge auch rechtzeitig zu erfüllen. Ich müsste also darauf hoffen, dass potentielle Kunden auch gerne erst nach Weihnachten ihr Objekt der Begierde entgegen nehmen. Das funktioniert bei einem Teil der Kunden sogar, natürlich aber nicht bei allen. Für meinen Shop ist die Werbung damit schlicht und ergreifend zu spät.

Warum ist sowas für Handmade-Verkäufer also ein schlechter Deal?

Es ist eigentlich ganz einfach. In einer eh schon stressigen Zeit bezahlen wir dafür, für einen ungewissen Werbeeffekt etwas zu verlosen. Und wir bezahlen nicht nur mit Geld sondern auch mit Zeit. Also den beiden Dingen, die ja nun wirklich keiner von uns im Überfluss hat. Selbst der Werbeeffekt ist ungewiss, da er mit Dezember für das aktuelle Weihnachtsgeschäft zu spät einsetzt und man damit auf Kunden nach Weihnachten hoffen muss. Hoffnung zahlt aber nun mal leider keine Rechnungen.

 

Wie haltet ihr das mit solchen Angeboten? Lohnen sie für euch oder habt ihr auch das Gefühl, dass jemand sich auf eure Kosten bereichern möchte?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.